Was ist das Problem?

In den vergangen Jahren wurde das Internet mehr und mehr zentralisiert und die Überwachung der Nutzer ausgebaut. Dies geschieht auf privater, wie auch staatlicher Ebene. Alle Nutzerdaten werden exzessiv gesammelt, gehandelt und monetarisiert ohne Rücksicht auf Verluste. So können beispielsweise Sozialkontakte, wie sie von Messengern gesammelt werden, Aufschluss über Kreditwürdigkeit geben. Auf Seiten der Geheimdienste kann man durch die falschen Kontakte, gerne einmal in den Fokus geraten. Dies führe ich nur Beispielhaft aus, denn die Liste der Missbrauchsmöglichkeiten ist schier endlos.

Wie hilflos und ahnungslos manche, leider oft nicht unwichtige Leute mit dem Internet umgehen, kann mann immer wieder beobachten. Zum Beispiel schrieb die 2019 neu gewählte EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrem Bewerbungsschreiben folgende Worte:

"Digitalisation and cyber are two sides of the same coin." -->Quelle: Ursula von der Leyen, Seite 13

Sollte jemand, der solche Sätze von sich gibt, tatsächlich auch nur ansatzweise Entscheidungsgewalt über digitale Themen bekommen? Lieber nicht!

Warum Tor keine Lösung ist

Tor wäre eine wunderbare Lösung das "alte" freie dezentrale Internet wieder herzustellen. Leider hat Tor aber auch Schattenseiten, welche nicht verschwiegen werden sollten:

  • Tor bzw. das Onion-Netz ist überschwemmt mit illegalen Inhalten, in deren Nähe ich nicht geraten will.
  • Exit-Nodes werden überwacht, sind ausserdem schwierig zu konfigurieren und können viel Ärger einbringen.
  • Langsam
  • Möglicherweise von Geheimdiensten unterwandert, denn Tor-Exitnodes bieten nur solange Anonymität, wie niemand die ganze Netzwerkinfrastruktur überwachen kann. Die NSA und Kohorten haben in den letzten Jahren das Überwachungsnetz massiv und weltumspannend ausgebaut. So wurde zum Beispiel der Internetverteilerknoten DE-CIX vom BND zum "virtuellen Ausland" erklärt und von den sonstigen Behörden möchte niemand für die Überwachung der Überwacher zuständig sein. --> https://media.ccc.de/v/35c3-10016-g10_bnd-gesetz_und_der_effektive_schutz_vor_grundrechten
  • Strafverfolgungsbehörden und Politiker haben selten technisches Verständnis und werfen gerne alle Tor Nutzer in einen Sack.
  • Anfällig für Konfigurationsfehler, welche die Nutzer deanonymisieren.
  • Zu kompliziert für Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher.

Aus diesen Gründen halte ich das Tornetzwerk nicht für die Lösung für ein freies Internet für Jedermann.

Was ist die Alternative?

Kurze und traurige Antwort: Es gibt keine Alternative zum Internet.

Das heisst aber nicht, dass es in Zukunft nicht wieder vernünftiges Internet geben kann. Die Zukunft des Internets und dessen Sicherheit liegt in den Händen deren Benutzer.

Was kann also getan werden?

  • Vermeide Dienste und Geräte grosser "Internetriesen" zu benutzen. Dies schliesst auch Messenger, Apps und Betriebssysteme mit ein.
  • Nutze vertrauenserweckende Nischenanbieter.
  • Sei sparsam mit deinen Daten!
  • Nutze wann immer möglich Verschlüsselungstechniken.
  • Stelle eigene Infrastruktur zur freien Verfügung. Z.B. Blogs, Websites, XMPP-Server etc.
  • Konsequente Nichtwahl von Sicherheitsfetischisten und technisch unterbelichteten Politikern.
  • Sei Dir bewusst, dass Geheimdienste undemokratisch, freiheitsfeindlich und zerstörerisch sind.
  • Nutze freie Software!
  • Erstelle freie Inhalte!
  • Nicht jeden Unsinn, den man Dir andrehen will, muss man auch unbedingt haben.
  • Falle nicht auf den Mythos der "Benutzerfreundlichkeit" herein, sondern interessiere Dich für Technik und erarbeite Dir Wissen über die Techniken, die Du nutzt. Nur so kannst Du Dich schützen!
  • Nicht alles muss vernetzt sein oder werden.
  • Bezahle lieber mit Geld, als mit Daten. Umsonst gibt es selten etwas.
  • Sei verantwortungsbewusst und idealistisch, überzeuge Andere.
  • Filtere deinen Traffic, z.B mit Pihole
  • Filtere Cookies.
  • Bekämpfe Abmahnanwälte, totalitäre Politiker etc.
  • Werde nicht müde und benutze Deinen Denkapparat. Du sollst, kannst und darfst selber denken!